Aktuelles

Bürgerinitiative sieht PROKOM als Referenten kritisch

Initiative fordert für die Einwohnerversammlung der Gemeinde Müssen am 3.September 2026 eine ausgewogene und ergebnisoffene Bürgerinformation zur Windenergie in Müssen

Nachdem die Bürgerinitiative Windpark Müssen mehrfach kritisiert hatte, dass die Einwohnerversammlung lediglich im Veranstaltungskalender angekündigt und nicht zusätzlich im Bereich „Aktuelles“ der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht wurde, hat die Gemeinde die Einladung inzwischen auch dort eingestellt.

Mit der Veröffentlichung wurde zugleich offiziell bekannt, dass Raimund Weidlich vom Planungsbüro PROKOM die fachliche Information zum Thema Windenergie übernehmen soll. Die anschließende Diskussion wird von einem Moderator geleitet.

Diese Entscheidung sieht die Bürgerinitiative Windpark Müssen kritisch.

Vorschlag für eine ausgewogenere Veranstaltung abgelehnt

Bereits vor der Veröffentlichung der Einladung hatte eine Mitstreiterin unserer Bürgerinitiative in einem Telefonat mit Bürgermeister Detlef Dehr nachgefragt, wer die fachliche Information bei der Einwohnerversammlung übernehmen werde.

Der Bürgermeister bestätigte auf Nachfrage, dass PROKOM als Referent vorgesehen sei. Außerdem sollte ein Moderator an der Veranstaltung teilnehmen.

Unsere Mitstreiterin regte daraufhin an, zusätzlich eine von den Bürgerinnen und Bürgern vorgeschlagene fachkundige Person einzuladen. Diese sollte eine weitere fachliche Perspektive einbringen und als Gegenpol dazu beitragen, die Veranstaltung ausgewogener und neutraler zu gestalten.

Bürgermeister Dehr lehnte diesen Vorschlag ab.

Erfahrungen aus Roseburg geben Anlass zur Sorge

Mitglieder der Bürgerinitiative Windpark Müssen waren bei der Einwohnerversammlung in Roseburg persönlich anwesend, bei der ebenfalls Raimund Weidlich über die geplanten Windenergievorhaben informierte.

Die Diskussion verlief zeitweise lautstark und emotional. Mehrfach kam es zu ungläubigen Reaktionen und Gelächter im Saal. Aus dem Kreis der Bürger wurden erhebliche Zweifel an der Neutralität von Herrn Weidlich und dem Planungsbüro PROKOM geäußert.

Besonders kontrovers diskutiert wurden die aus Sicht vieler Bürger geringen Abstände der geplanten Windkraftanlagen zur Wohnbebauung sowie die Auswirkungen auf Natur- und Artenschutz. Herr Weidlich verwies dabei vor allem auf die geltenden rechtlichen Vorgaben in Schleswig-Holstein. Diese Antworten stießen bei zahlreichen Anwesenden auf deutlichen Widerspruch.

Im Verlauf der Einwohnerversammlung erläuterte Herr Weidlich auf Nachfrage eines Bürgers, dass die Kosten für die Bauleitplanung in der Regel nicht von den Gemeinden, sondern vom jeweiligen Projektierer – im vorliegenden Fall der Firma Greenwind – getragen werden. Er erklärte außerdem, dass er – sofern das Verfahren fortgeführt werde – in einem späteren Verfahrensstadium vom Projektierer beauftragt werde.

Daraufhin brachte ein Bürger beziehungsweise Mitstreiter der Bürgerinitiative Roseburg seine Zweifel an der Unabhängigkeit des weiteren Verfahrens mit den Worten auf den Punkt:

„… und wer die Münze in die Jukebox wirft, bestimmt, welche Musik gespielt wird.“

Mit diesem bildhaften Vergleich brachte er seine Auffassung zum Ausdruck, dass ein Planer, der später vom Projektierer beauftragt und vergütet wird, aus seiner Sicht nicht vollständig unabhängig beraten könne. Die Aussage stieß im Saal auf deutliche Zustimmung.

Hinzu kommt, dass die vorgesehenen Flächen in Roseburg/Wotersen ebenso wie in Müssen/Louisenhof vom Land nicht als Vorranggebiete für die Windenergienutzung ausgewiesen wurden. Dennoch werden sie auf kommunaler Ebene im Rahmen eigener Bauleitplanungen weiterverfolgt.

Warum wir PROKOM als Referenten kritisch sehen

PROKOM ist kein unabhängiges wissenschaftliches Institut, sondern ein Planungsbüro, das Kommunen im Herzogtum Lauenburg bei Bauleitplanungen sowie Energie- und Windenergieprojekten begleitet oder beraten hat.

Dazu zählen unter anderem:

* Panten – Bauleitplanung zur Windenergie

* Bälau – Bauleitplanung und Repowering

* Niendorf an der Stecknitz – Fachberatung zur kommunalen

* Roseburg/Wotersen – Fachvortrag zur Windenergie

* Talkau und Amt Breitenfelde – Energie- und Flächenkonzepte mit Bezug zur Windenergie

* Siebeneichen – frühere kommunale Planungsprojekte

Aus Sicht der Bürgerinitiative stellt sich deshalb die Frage, ob ein Planungsbüro, das regelmäßig Kommunen bei Energie- und Bauleitplanungen begleitet und im weiteren Verfahren vom Projektierer beauftragt werden kann, zugleich die Bürgerinnen und Bürger neutral und ergebnisoffen über ein solches Vorhaben informieren kann.

Unsere Bewertung und Forderung

Aus Sicht der Bürgerinitiative dient die Einwohnerversammlung in ihrer jetzigen Form nicht einer ausreichend ausgewogenen und ergebnisoffenen Information der Bürgerinnen und Bürger. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass Akzeptanz für das geplante Windenergievorhaben geschaffen werden soll.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass der Vorschlag abgelehnt wurde, einen weiteren fachkundigen Referenten mit einer anderen fachlichen Perspektive einzuladen.

Gerade weil es in Müssen und Louisenhof um bis zu fünf Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von rund 267 Metern geht, erwartet die Bürgerinitiative eine besonders sorgfältige, transparente und ausgewogene Bürgerinformation.

Die Bürgerinitiative Windpark Müssen fordert die Gemeinde deshalb auf, die Veranstaltung um weitere unabhängige Fachreferenten mit unterschiedlichen fachlichen Positionen zu ergänzen. Nur ein offener und ausgewogener Dialog ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern eine fundierte Meinungsbildung.

Nach derzeitigem Stand geht die Bürgerinitiative Windpark Müssen nicht davon aus, dass die Gemeindevertretung der Gemeinde Müssen das Konzept der Einwohnerversammlung noch ändern wird. Die Bürgerinitiative bereitet deshalb eine eigene öffentliche Informationsveranstaltung mit einem unabhängigen Fachreferenten zum Thema Windenergie vor. Ziel ist es, den Bürgerinnen und Bürgern eine zusätzliche fachliche Perspektive und eine ausgewogene Informationsgrundlage für ihre eigene Meinungsbildung zu bieten. Über Termin, Referent und Inhalte wird die Bürgerinitiative in Kürze informieren.